Weinberg

Im Zug nach Basel saß ich mit Joseph Beuys im gleichen Abteil. Nach anfänglichen Höflichkeiten kam es beim Kaiserstuhl angesichts der Wein­berge zu einer Diskussion über die Weinherstellung. Wein müsse erzeugt werden wie dereinst in den Klöstern, die Metamorphose in den Fässern dürfe nicht durch Eingriffe wie Schönung und Schwefelung gestört werden, im Weinberg und in den Fässern müsse die Natur zu ihrem Recht kommen und nicht die Chemie …

Aber Herr Beuys, das Ergebnis wird eine lasche Brühe mit Essigstich. Haben Sie eine Vorstellung, wie das Zeug dann schmeckt?

Es muss schmecken wie Knabenurin. Übrigens vielen Dank, dass Sie mich
nicht um ein Autogramm gebeten haben.

Faruk

Der Faruk tanzt

Der Faruk war mal unser Held
eine große Nummer, ein Held mit Geld
Stil und Charme – hatte er
Freunde und Frauen – hatte er
Rang und Namen – hatte er
und kein Erbarmen – hatte er

Tanz, tanz den Faruk-Tanz
Halt dich munter wenn du kannst
Der Faruk tanzt

Am Bahnhof links, geradeaus
mit schwarzem Dach das rote Haus
Da lebt der Faruk – ganz allein
ohne Menschenseele – ganz allein
unter dem schweren – Dach aus Blei
kein alter Hund – wird bei ihm sein

Der Faruk war ein Freund von mir
Ich stehe oft vor seiner Tür
Seh’ seinen Schatten – unter’m Dach
Er schaut durchs Fenster – in die Nacht
Ich würde klopfen – würde schrein
doch meine Zunge – ist ein Stein

Wenn du ihn siehst am Wegrand kratzen
Er sammelt überfahrene Katzen
Grüß ihn von mir – ob er sich freut?
Sag ihm es tut – mir heut noch leid
Ich hab’ es jeden – Tag bereut
Und sag ihm auch – ich wär bereit

Tanz, tanz den Faruk-Tanz
Halt dich munter wenn du kannst
Der Faruk tanzt
Der Faruk auf Soundcloud

Gebrechen des Alters

Falten im Gesicht, dunkle Flecken auf der Haut, halbtaub und die Sehkraft geschwächt.

Lästig ist er, voll Angst vor dem Tod und einsam; sich wiederholend, jähzornig und nörglerisch, zudringlich und aufdringlich.

Dieselben Geschichten wieder und wieder, in welchen seine Kinder ständig gepriesen werden.

Prahlend mit seiner Gesundheit ermüdet er andere bis zur Unerträglichkeit.

Gibbon Sengai (1750-1837), Zen-Meister und Zeichner

Plisseefalten

“Langjährige Gattinnen von Skorpion-Männern haben immer Plisseefalten.”

Der Satz ist zu schön, um wahr zu sein. Zumal ich ihn aus dem Zusammenhang gerissen habe.

Dafür gibts als Zeichnung auch einmal einen Mann mit Plisseefalten.