NOBT  
Wechselbalg  
Wechselbalg

Der Wechselbalg wird in die Wiege gelegt und das richtige Kind gestohlen. Im Verdacht stehen Hexen, Elben und Wichtel.

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One Response to “Wechselbalg”

  1. arno Says:

    Wie immer hat NOBT mir eine Tür geöffnet zum Verständnis der Weltläufte. Ich bin zwar nur eine Art von Unter-Wechselbalg, gehöre zu den sogenannten vertauschten Kindern (“mixed children”, so der Fachausdruck), aber ein in mir bohrendes Nachdenken hat neue Anregung erfahren und tritt hiermit an die Oberfläche.
    Bei mir waren es keine Wichtel oder ähnliche Bring- und Holgeister (“Ketschkerrys” nicht zu verwechseln mit den “Heierfeiers”), vielmehr die Deutsche Post in Zusammenarbeit mit der Polnischen. Meine Eltern entstammen nämlich einem polnische Grafengeschlecht (also eher meine Mutter, mein Vater war leider ein Dibbuk, aber ich will jetzt nicht abschweifen), das, wie ja allgemein bekannt, im kommunistischen Polen
    verfolgt wurde, weshalb sie kurzerhand beschlossen (meine Mutter mehr als der Dibbuk, der eher dicke Luft verbreitete), mich in ein Paket zu stecken, Schlitze zum Atmen anbrachten und mich nach drüben schickten.(Der Fachmann spricht vom “Wende-Care-Paket”). Der Plan gelang, ich war jahrelang im Glauben, das Kind meiner westdeutschen Eltern zu sein, bis mich mein Freund Roland, wir lasen zusammen im Hof Sigurd und Wastl-Hefte, darüber aufklärte, dass er zwar Roland Orlowski hieß, aber nicht ein solcher sei, sondern eben ein polnischer Prinz, der mit der Post übersandt worden sei und die fassungslosen Leih-Eltern durch seinen Charme so zu Mitleid gerührt habe, dass sie ihn behielten…Genau wie bei mir, rief ich aus in plötzlicher Erkenntnis, weshalb es immer zu diesen grotesken Missverständnissen zwischen mir und meinen Erziehungsberechtigten gekommen war, was ihn erstaunlicherweise so empörte, dass er mich zu verhauen androhte.
    Nun, der Rest ist Geschichte–aber nie bin ich auf den Gedanken gekommen, der mich nun erfasst,denn: wenn ich ich bin, wo ist dann der andere hin?
    Ist der nach Polen geschickt worden und führt nun unter meinem richtigen Namen mein Leben? Oder führt er irgendwo, mir selber unsichtbar, ein mir nahes Leben in Dunkelheit und Schmutz? Begleitet er mich etwa nun schon seit Jahrzehnten, ohne dass ich es merke, verfolgt mich vielleicht gar mit schiefem Maul, weil ich sein Leben führe und er hohnlachend endlich auf den Fehltritt wartet, der mich taumeln und abstürzen lässt, so dass er endlich, endlich an meine Stelle treten kann.
    Darüber muss ich erstmal weiter nachdenken.

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